Seiteninhalt
01.11.2022

steinreich. Das Schneidhaus der Fugger

Deutsches Medizinhistorisches Museum - 03.11.2022 bis 17.09.2023

Vor rund 500 Jahren stifteten die Fugger in Augsburg eine Wohnsiedlung, die „Fuggerei“. Sie gehört heute noch zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dagegen ist kaum bekannt, dass die Fugger auch ein Spital gestiftet haben, das auf chirurgische Behandlungen spezialisiert war. Damit war das „Schneidhaus“ in seiner Zeit einzigartig.

Im Umfeld des Schneidhauses entstand ein reich bebildertes Manuskript, das vor einigen Jahren von der „Gesellschaft der Freunde und Förderer des Deutschen Medizinhistorischen Museums“ für die Museumssammlung erworben wurde. Dies gab den Anstoß für ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt, in dem das Schneidhaus von 2019 bis 2022 erstmals wissenschaftlich erforscht wurde. Dafür konnte die Medizinhistorikerin Annemarie Kinzelbach aus München gewonnen werden. Die Ergebnisse werden in der Ausstellung STEINREICH gezeigt, die von der Kunsthistorikerin Monika Weber kuratiert wurde.

„Die meisten Kranken, die das Schneidhaus aufsuchten, litten an Eingeweidebrüchen oder Blasensteinen“, berichtet Projektleiterin und Museumsdirektorin Marion Ruisinger. „Einer von ihnen war der 20-jährige Niclaus Kurtz aus Ingolstadt.“ Durch die hervorragende Kooperation mit dem hiesigen Stadtarchiv wurde es möglich, noch mehr über diesen jungen Steinpatienten zu erfahren. Nun bildet seine Geschichte als Graphic Novel den roten Faden durch die Ausstellung. „Das beginnt mit dem besorgten Blick in den Nachttopf und endet mit dem Tod von Niclaus Kurtz rund 40 Jahre später in Wien“, so Monika Weber. „Übrigens war es gar nicht so einfach, einen Nachttopf aus dem 17. Jahrhundert zu finden“, fügt sie schmunzelnd hinzu. In der Vitrine steht jetzt ein Exemplar aus dem Maximilianmuseum in Augsburg, das als Kooperationspartner an dem Forschungsprojekt beteiligt war. Aber auch der Altar eines „Steinheiligen“ aus Hall in Tirol und fein gearbeitete Steinschnitt-Instrumente aus Zürich sind in der Ausstellung zu sehen.

Informationen zur Ausstellung:

Dauer: 03.11.2022 bis 17.09.2023
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 17:00 Uhr
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro; bis 18 Jahre freier Eintritt; Arzneipflanzgarten mit Café "hortus medicus": Eintritt frei
Ort: Deutsches Medizinhistorisches Museum, Anatomiestraße 18-20, 85049 Ingolstadt

www.dmm-ingolstadt.de